Ein Verkauf von Gütern, Dienstleistungen oder Kapital wird als Export bezeichnet, der entsprechende Einkauf als Import. Weil sich Verkäufe und Käufe, also Exporte und Importe zum großen Teil ausgleichen, wird in der Zahlungsbilanz vor allem die Differenz, der so genannte Saldo, ausgewiesen.
Man kann mit der Zahlungsbilanz wesentliche Aspekte der internationalen Konkurrenzfähigkeit eines Landes erkennen: Wie begehrt sind deutsche Produkte im Ausland, wie attraktiv ist Deutschland für ausländische Investoren, oder wie viele Zinsen muss Deutschland für seine Auslandsschulden zahlen?
Die Zahlungsbilanz ordnet die wirtschaftlichen Transaktionen in Teilbilanzen. In der Handelsbilanz wird der Tausch von Gütern erfasst, in der Dienstleistungsbilanz der Tausch von Dienstleistungen und in der Übertragungsbilanz werden unentgeltliche Leistungen wie Rentenzahlungen, Gastarbeiterüberweisungen in ihr Heimatland oder Nettozahlungen an die Europäische Union verrechnet. Zusammengefasst spricht man recht plastisch von der Leistungsbilanz eines Landes - also von der Bilanz der Leistungen gegenüber dem Ausland.
Der Leistungsbilanz steht die Kapitalbilanz gegenüber, die grenzüberschreitende Finanztransaktionen erfasst. Zum einen sind dies Geldzahlungen, die die Käufe und Verkäufe von Gütern und Dienstleistungen finanzieren, zum anderen sind dies Finanztransaktionen, die von sich heraus (autonom) getätigt werden, also etwa Beteiligungen an ausländischen Unternehmen oder die Kreditaufnahme des Staates im Ausland.
Wichtig ist die Feststellung, dass zwischen der Leistungsbilanz und der Kapitalbilanz ein direkter Zusammenhang besteht. Wenn Deutschland einen Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaftet, also mehr Güter verkauft als einkauft, dann erzielt es einen Zahlungsüberschuss, der dann in der Kapitalbilanz als Kapitalexport auftaucht. Dies ist genauso wie bei einer Firma, die mehr verkauft als kauft, damit einen Überschuss erzielt und ihr Geldvermögen mehrt.
Ein Leistungsbilanzdefizit entsteht, wenn ein Land mehr Güter importiert als exportiert, mehr Güter verbraucht als produziert. So wie ein Privatmann, der mehr verbraucht als produziert und dies durch Kredite oder den Verzehr seines Vermögens finanzieren muss, so muss auch ein Land seinen Importüberschuss finanzieren - in der Regel durch zusätzliche Schulden. In diesem Sinne ist die Zahlungsbilanz das Schuldenbuch der Nation. Deutschland ist traditionell Gläubigerland, erwirbt also Auslandsvermögen, die USA sind dagegen traditionell Schuldnerland. Weil die Amerikaner mehr konsumieren als sie selbst herstellen, müssen sie mehr ausländische Produkte importieren als sie exportieren, und in diesem Umfang müssen sie sich gegenüber dem Ausland verschulden. In der Handelsbilanz erzielt Deutschland traditionell große Überschüsse, Güter im Wert von fast 130 Milliarden Euro werden mehr exportiert als importiert. Deutschland verkauft vor allem chemische Erzeugnisse, Maschinen und Autos und ist stark von importierten Rohstoffen abhängig.
Auch das Exportvolumen insgesamt von rund 660 Milliarden Euro ist beachtlich: In Dollar umgerechnet hat kein Land der Welt mehr exportiert als Deutschland, Deutschland ist derzeit vor den Vereinigten Staaten Exportweltmeister. Deutschland benötigt die Exportüberschüsse, um die Defizite in der Dienstleistungsbilanz, vor im Reiseverkehr, sowie die Defizite in der Übertragungsbilanz, vor allem durch die Zahlungen an den Haushalt der Europäischen Union, zu finanzieren.
Allerdings verblieb seit 2002 wieder ein deutlicher Überschuss in der Leistungsbilanz von knapp 50 Milliarden Euro. Diesem Überschuss entspricht ein Kapitalexport von 55 Milliarden Euro, die Differenz ist auf Erfassungsfehler zurückzuführen. Deutschland hat in diesem Umfang also per Saldo Geldvermögen im Ausland erworben.
Heinrich, Jürgen

Österreich
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