GÖPPINGEN.
Freitagnachmittags hat Dustin van Delden künftig viel Zeit. Das war in den
vergangenen Monaten nicht immer so. Der 18-jährige Schüler des
Hohenstaufen-Gymnasiums ist einer von rund 50 Teilnehmern der vierten Schüler-Ingenieur-Akademie (SIA)
die jetzt am Göppinger Standort der
Fachhochschule Esslingen - Hochschule für Technik (FHTE) zu Ende ging. "Das
war richtig harte Arbeit", erzählte van Delden im Rande der
Abschlussveranstaltung. "Es gab viele Rückschläge, wir haben aber auch Erfolge
verbucht." Und was dem jungen Mann besonders wichtig ist: "Ich habe gelernt,
wie man ein Projekt organisiert und in der Gruppe arbeitet. Das sind
Erfahrungen fürs Leben - ein trockener Schulunterricht kann das nicht bieten."
Fast ein ganzes Schuljahr lang waren die Schüler der zwölften
Jahrgangsstufe von sieben Gymnasien aus dem Kreis Göppingen mit einem
mechatronischen Projekt beschäftigt.
Die
Aufgabe: Ein ferngesteuertes Raupenfahrzeug mit Anhänger musste durch
einen Hindernis-Parcours fahren und von einem Ladeplatz kegelförmige Teile
abholen. Die Kegel waren mit einem kleinen Transponder ausgestattet, der die
unterschiedliche Wertigkeit der Teile gespeichert hatte. Voll beladen sollte
das Fahrzeug zu einem Förderband fahren, um die Teile zu entladen. Sobald aber
eine zuvor festgelegte Wertigkeit der ausgeladenen Kegel erreicht war, musste
der Vorgang automatisch stoppen. Besondere Schwierigkeiten: Das Förderband
wurde über eine Windkraftanlage betrieben und funktionierte nur bei
ausreichender Spannung; der Fahrer des Raupenfahrzeugs konnte den Weg nur über
einen Monitor sehen, die Bilder wurden per Kamera von Leuten aus der eigenen
Gruppe erfasst.
Zwar standen den Schülern bei der Lösung ihrer Aufgabe
Mitarbeiter der Fachhochschule sowie der beteiligten Firmen Allgaier, Boehringer, Hinterkopf,
Märklin und Schuler zur Seite, die Hauptarbeit lag aber bei den
Teilnehmern. "Das hat uns manch schlaflose Nacht beschert", sagte van Delden.
Neben dem Zusammenspiel der
Einzeldisziplinen Mechanik, Elektronik und Informatik wurde den Schülern
auch Qualifikationen wie Teamarbeit, Präsentation und Problemlösung vermittelt.
Und wenn auch bei der gestrigen Präsentation nicht alles reibungslos
klappte - die vierte Auflage der SIA, die mit großer Unterstützung vom Verband
Südwestmetall ermöglicht wird, kannte nur Gewinner. So ist es kein Wunder, dass
das SIA-Projekt längst ein Erfolgsmodell ist. 18 solcher Gruppen gibt es
derzeit im Land, ab Herbst soll die Zahl auf 25 erweitert werden. In Göppingen
sieht man diese Entwicklung mit Freude, war doch die SIA an der FHTE eine der
Ersten. "Und hat", so Helma Hink, Rektorin am Hohenstaufen-Gymnasium und
Mitinitiatorin, "heute nach wie vor Vorbildcharakter."

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