„Schülerinnen und Schüler, die zu Hause nicht die Möglichkeit haben, den Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln zu üben, sind deutlich benachteiligt", kritisierte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Albin Dannhäuser, bei einer BLLV-Veranstaltung in Kronach und forderte eine deutlich bessere Ausstattung an Schulen. „In jeder Klasse müssen künftig mindestens zwei Computer stehen." Die in der PISA-Studie erneut angeprangerte soziale Ungerechtigkeit im deutschen Bildungssystem verschärft sich sonst noch weiter. Vor allem Grundschulen müssen deutlich besser ausgestattet werden, denn je früher Kinder sich mit moderner Technik vertraut machen können, umso größer der Lernerfolg.
Aus der aktuellen PISA-Studie geht hervor, dass deutsche Schüler zwar ein überdurchschnittliches Interesse am Computer haben, die Vertrautheit mit dem PC liegt jedoch nur auf internationalem Durchschnittsniveau. Insbesondere die Nutzung des Computers in der Schule lässt zu wünschen übrig. Nur 21% der Schülerschaft berichtet von einem regelmäßigen Einsatz im Unterricht gegenüber 39% im OECD-Durchschnitt.
„Eine verantwortungsvolle Schul- und Bildungspolitik muss dafür sorgen, dass alle Schülerinnen und Schüler Möglichkeiten vorfinden, neue Techniken kennen zu lernen und damit zu arbeiten", erklärte Dannhäuser. Andernfalls nimmt die Politik in Kauf, dass Kinder und Jugendliche aus Haushalten ohne Computer den Anschluss verlieren und auf dem modernen Arbeitsmarkt keine oder zumindest deutlich schlechtere Chancen haben. Um das zu verhindern, müssen alle Schulen ausreichend mit Computern bestückt werden. Die Zahlen an Bayerns Schulen spiegeln ein unbefriedigendes Bild wieder: Für die derzeit über 1,3 Millionen Schüler/innen an Haupt-, Real- und beruflichen Schulen sowie an Gymnasien gibt es lediglich 213.000 PC-Arbeitsplätze. Sechs bis sieben Schüler/innen müssen sich demnach einen PC-Arbeitsplatz teilen.
„Je früher sich Kinder im Umgang mit moderner Technik vertraut machen können, umso besser", betonte der BLLV-Präsident. Nicht erst seit der Veröffentlichung der PISA-Studie ist bekannt, dass Grundschulkinder besonders aufnahmefähig sind und schnell lernen. „Deshalb dürfen wir die Chance, sie in möglichst jungen Jahren im Umgang mit Computern vertraut zu machen, nicht ungenutzt lassen", erklärte er.
In der Grundschule ist der Einsatz von Computern jedoch immer noch die Ausnahme. Lehrerinnen und Lehrer finden oft zusammengewürfelte Systeme vor, deren Wartung und Bedienung besonders schwierig sind. Viele Geräte sind veraltet oder nicht voll funktionsfähig. „Hier wird am falschen Ende gespart", bemängelte Dannhäuser und forderte deutlich mehr Investitionen für eine bessere technische Ausstattung.
Zudem haben es die Systembetreuerinnen und –betreuer an Grundschulen besonders schwer: Sie sind in der Regel sowohl für die Beschaffung, Vernetzung, Inbetriebnahme und technische Funktionsfähigkeit der Computer als auch für die Auswahl und Installation der Software verantwortlich. Zusätzlich schulen sie ihre Kollegen in den Programmen und unterstützen sie beim Einsatz im Unterricht. Bislang bringen die Systembetreuer/innen pädagogische Beratung und technische Betreuung zusätzlich zur ohnehin sehr hohen Unterrichtspflichtzeit ein – und bekommen sie nicht honoriert. „Diese Notlösungen akzeptiert der BLLV nicht", stellte der BLLV-Präsident klar. „Systembetreuerinnen und -betreuer haben auch an Grundschulen ein Recht darauf, dass ihre Leistung entsprechend anerkannt wird. Sie brauchen Anrechnungsstunden." Sie müssten außerdem von der technischen Wartung der Geräte entlastet werden, damit sie mehr Zeit für ihre eigentliche pädagogisch-didaktische Aufgabe haben. „Letztlich sind es die Kinder, die davon profitieren." Nicht zuletzt muss der Einsatz von Computern auch im Grundschullehrplan verbindlich festgeschrieben werden. „Bislang wird er lediglich empfohlen und entsprechend stiefmütterlich behandelt", kritisierte Dannhäuser. Unbedingt notwendig ist es auch, alle Lehrerinnen und Lehrern entsprechend zu schulen.
Roland Kirschner
webmaster des BLLV
E-Mail: webmaster@bllv.de
www.bllv.de

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