Die hessenspezifischen Ergebnisse dieser repräsentativen Untersuchung, die Aufschluss über Drogenkonsum, Konsummuster und persönliche Einstellungen der Schülerinnen und Schüler geben, stellten der Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium, Joachim Jacobi, und der Staatssekretär im Hessischen Sozialministerium, Gerd Krämer, heute in Wiesbaden der Öffentlichkeit vor. An der Befragung, die im Frühjahr 2003 durchgeführt wurde, haben 1.928 hessische Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Jahrgangsstufen an Haupt-, Real-, Gesamtschulen und Gymnasien teilgenommen.
"Die Ergebnisse sind alarmierend. Sie zeigen, wie früh die ersten Schritte für eine mögliche Suchtkarriere gemacht werden. Damit sich aus dem Verhalten der Jugendlichen keine Suchtprobleme ergeben, ist eine frühzeitige und kontinuierliche suchtpräventive Arbeit notwendig", erklärten die Staatssekretäre Jacobi und Krämer. Ziel der Prävention sei es, Drogenkonsum zu vermeiden - die so genannte Primärprävention -, aber auch riskantes Konsumverhalten zu erkennen und hier einzugreifen (Sekundärprävention). Die Studie zeige, dass jenseits der bereits ergriffenen, vielfältigen Maßnahmen Angebote der Sekundärprävention benötigt würden, die sich an die Gruppe riskant konsumierender Jugendliche wenden, damit bei ihnen eine Selbstreflexion ihres schädigenden Verhaltens und eine Verhaltensänderung erzielt wird.
Gerade die Zahlen zum Alkoholkonsum bei den Jugendlichen bezeichnete Sozial-Staatssekretär Krämer als besorgniserregend. Vor diesem Hintergrund habe sich das Sozialministerium entschlossen, sich am Bundesmodellprojekt "Hart am Limit - HaLt" zu beteiligen, das demnächst in Frankfurt starten soll. "Jugendlichen mit hochriskantem Alkoholkonsum sollen gezielt Hilfen angeboten werden", erläuterte Krämer. Fertigmix-Getränke, so genannte Alcopops, seien laut ESPAD das am häufigsten konsumierte Getränk bei den Jugendlichen und trügen maßgeblich zum frühen Alkoholkonsum bei. Dieser Entwicklung steuere die Landesregierung mit einer Schwerpunktaktion entgegen, bei der verstärkt Kontrollen im Einzelhandel durchgeführt würden, damit das Jugendschutzgesetz bei der Abgabe von Alkohol und der Platzierung von Alcopops eingehalten werde.
"Unser Ziel ist die rauch- und alkoholfreie Schule", sagte Jacobi. Dies bedeute konkret, Raucherecken abzuschaffen sowie alkoholhaltige Getränken und Tabakwaren bei Schulfesten zu untersagen. Im neuen Schulgesetz werde eine Bestimmung aufgenommen, "die Schülerinnen und Schülern sowie allen Lehrkräften das Rauchen innerhalb des Schulbetriebes untersagt". Parallel setzt das Kultusministerium weiterhin auf Aufklärungs- und Vorbeugungsprogramme: "Die Präventionsarbeit an unseren Schulen wird durch das geplante Rauchverbot nicht überflüssig", sagte Jacobi.
Die Landesregierung hat nach den Worten von Jacobi und Krämer effektive Strukturen für die Suchtprävention flächendeckend aufgebaut. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt gebe es eine Fachstelle für Suchtprävention, die mit Kindergärten, Schulen, Jugendclubs, Eltern, Kommunen oder Betrieben zusammenarbeite, Multiplikatoren- und Informationsveranstaltungen sowie konkrete Projekte durchführe. Vor Ort arbeiteten Fachstellen und Schulen besonders eng zusammen. "Rund die Hälfte der suchtpräventiven Maßnahmen der Fachstellen wird in Schulen durchgeführt."
Nach den Worten Jacobis sind an jedem der 15 Staatlichen Schulämter in Hessen Schulpsychologen als Fachberater für Suchtprävention berufen, die die Arbeit von 750 speziell ausgebildeten Beratungslehrkräften für Suchtprävention an Schulen begleiten und unterstützen.
Die Hessische Landesstelle gegen Suchtgefahren unterstütze und vernetze die Arbeit der Fachstellen vor Ort, koordiniere landesweite Aktivitäten, arbeite mit den Ministerien und Organisationen zusammen und führe Fortbildungsveranstaltungen für die Mitarbeiter in der Suchtprävention durch.
Dr. Ludwig Kraus vom Institut für Therapieforschung München, der Verfasser der Studie, präsentierte zusammenfassend die wichtigen Hessen-Daten:
Tabakkonsum
Von den befragten Schülerinnen und Schülern haben 76 Prozent bereits mindestens einmal in ihrem Leben geraucht.
43 Prozent der Befragten haben innerhalb der letzten 30 Tage vor der Erhebung geraucht.
32 Prozent der Jugendlichen rauchten in den letzten 30 Tagen täglich Zigaretten.
Erste Erfahrungen mit Tabak wurden von der Hälfte der Tabakerfahrenen bis zum Alter von 12 Jahren gemacht.
Die Hälfte der täglichen Raucher hat mit dem täglichen Rauchen bis zum 13. Lebensjahr begonnen.
Über 90 Prozent schreiben dem gelegentlichen Zigarettenkonsum kein erhebliches Risiko für körperliche oder sonstige Schädigungen zu.
Alkoholkonsum
82 Prozent der Befragten haben in den letzten 30 Tagen vor der Erhebung Alkohol getrunken.
Am häufigsten wurden Alcopops getrunken (63 Prozent), gefolgt von Bier (58 Prozent), Spirituosen (49 Prozent), und Wein/Sekt (48 Prozent).
14 Prozent der Jugendlichen hatten innerhalb der letzten 30 Tage häufigen Alkoholkonsum (10mal oder öfter).
59 Prozent der Befragten hatten einen zumindest einmaligen Konsum von 5 oder mehr Gläsern Alkohol bei einer Trinkgelegenheit.
50 Prozent der Jugendlichen geben einen Alkoholkonsum von mindestens einmal pro Woche an.
Ein Drittel der Schülerinnen und Schüler berichtet von einem Rauscherlebnis pro Monat, etwa jeder Zehnte von mindestens einem Rauscherlebnis pro Woche.
Die Befragten zeigen eher eine positive als negative Haltung gegenüber dem Alkoholkonsum. Mehr als die Hälfte meint, durch den Konsum alkoholischer Getränke Spaß zu haben, die Kontaktfreudigkeit steigern zu können sowie Glücksgefühle und Entspannung hervorrufen zu können.
Konsum illegaler Drogen
32 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben bereits eine illegale Droge probiert, in den meisten Fällen Cannabis.
Verglichen mit den hohen Erfahrungswerten ist eine häufigere Einnahme von Cannabis eher selten. 5 Prozent der Jugendlichen konsumierten in den letzten 30 Tagen vor der Erhebung öfter als einmal pro Woche Cannabis.
Die regelmäßige Einnahme von Kokain wird von den meisten Jugendlichen als sehr gesundheitsschädigend eingestuft, gefolgt von dem Risiko durch regelmäßigen Konsum von Crack, Ecstasy, LSD und Amphetaminen.
Die gesundheitliche Gefährdung, die von einem regelmäßigen Cannabis-Konsum ausgeht, wurde dagegen von nur etwas mehr als der Hälfte der Jugendlichen als hoch eingeschätzt.
zum Web: http://www.kultusministerium.hessen.de
Zu unserer Pressestelle: mailto:pressestelle@hkm.hessen.de

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