Alle internationalen Vergleichsstudien der letzten Jahre belegen, dass die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen in keinem europäischen Land so sehr vom sozialen Status der Eltern abhängen wie in Deutschland. Damit wollen wir uns nicht abfinden. Die SPD tritt ein für ein leistungsfähiges und sozial gerechtes Bildungssystem, das Kinder früh fördert, alle ihre Begabungen unterstützt und Schwächen ausgleicht.
Familie in Deutschland hat sich verändert. Gestiegene Mobilitätserwartungen auf dem Arbeitsmarkt, Individualisierung der Lebensstile und sich auflösende soziale Bindungen treten an die Stelle von Großfamilie und nachbarschaftlichem Zusammenhalt. Insbesondere in Städten wachsen Kinder heute zunehmend mit sprachlicher und kultureller Vielfalt auf. Die sozialen Rahmenbedingungen von Familien entwickeln sich auseinander. Und auch die wachsende Zahl von Trennungen und Scheidungen bringt zahlreiche emotionale und wirtschaftliche Risiken für Eltern und Kinder mit sich.
Die allermeisten Eltern nehmen die Verantwortung für ihre Kinder sehr ernst und wollen das Beste für ihre Zukunft. Aber alle, die mit Kindern und Jugendlichen beruflich zu tun haben, berichten auch zunehmend von Eltern, die verunsichert sind und sich von ihrem Erziehungsauftrag überfordert fühlen. Im schlimmsten Falle führt dies zu Kindesvernachlässigung und -misshandlung. Hier stehen Staat und Gesellschaft in der Verantwortung.
Wir treten ein für ein neues Verhältnis von öffentlicher und privater Verantwortung für Kinder. Dabei stehen für uns drei Handlungsfelder im Mittelpunkt:
- Individuelle Förderung von Anfang an,
- Hilfe und Unterstützung für Eltern,
- Mehr Schutz für gefährdete Kinder.
Individuelle Förderung von Anfang an
Der Schlüssel für eine erfolgreiche Bildungsbiographie und für echte Chancengleichheit liegt in der frühkindlichen Bildung. Wir wollen die Investitionen in Bildung und Betreuung spürbar erhöhen. Das muss aus unserer Sicht Vorrang vor weiteren direkten Leistungen an Familien haben.
Es muss früher damit begonnen werden, die Begabungen unserer Kinder gezielt zu fördern und die Schwächen auszugleichen. Die Kindertagesstätten haben einen wichtigen Bildungsauftrag, den wir weiter stärken wollen. Gerade in den ersten Jahren gilt es, die Lernlust bei den Kleinen zu entfachen und sie spielerisch an das Lernen heranzuführen. Die Zeit in den Kindertagesstätten muss für eine intensive Sprachförderung der Kinder genutzt werden. Mögliche Defizite müssen durch eine Sprachstandsfeststellung aufgedeckt werden, damit bei Bedarf noch gefördert werden kann.
Gleichzeitig ist der bedarfsgerechte Ausbau von ganztägigen Betreuungsangeboten ein zentrales Ziel, um die Familien in unserem Land zu unterstützen. Junge Frauen und Männer wollen und sollen sich nicht mehr entscheiden müssen zwischen Beruf und Familie. Sie brauchen eine gute Betreuungs-Infrastruktur vor Ort und die Gewissheit, dass ihre Kinder eine anregende, liebevolle Betreuung erfahren, während sie ihrer Berufstätigkeit nachgehen.
In vielen Bundesländern wurden beim Aufbau der Infrastruktur für Kindertagesstätten bereits gute Fortschritte erzielt. Doch insbesondere beim Angebot für Kinder unter drei Jahren gibt es noch großen Nachholbedarf. Deshalb fördert der Bund den Aufbau eines flächendeckenden Ganztagsangebots der bis zu 3-Jährigen mit jährlich 1,5 Mrd. Euro durch das Tagesbetreuungsausbaugesetz. Für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ist klar: Kinder brauchen frühe Förderung - Eltern brauchen verlässliche Betreuungsangebote.
Beginnend mit dem letzten Kita-Jahr wollen wir schrittweise die gesamte Kita-Zeit beitragsfrei stellen.
Es ist unser Ziel, dass es ab 2010 einen Rechtsanspruch auf ganztägige Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsangebote für Kinder vom vollendeten ersten Lebensjahr bis zum Schuleintritt gibt. Dieses Angebot muss von den Kommunen bereit gestellt werden - bei der Finanzierung muss aber auch die Bundesebene finanzielle Unterstützung leisten. Die Länder und Kommunen sollten dafür dauerhaft vom Bund finanzielle Unterstützung erhalten - beispielsweise über eigene Anteile an der Umsatz- oder der Einkommenssteuer. Die Sicherstellung der Finanzierung durch den Bund könnte möglich sein, wenn
- eine mögliche zukünftige Erhöhung des Kindergeldes in den Ausbau der Infrastruktur zur frühen Förderung von Kindern investiert wird,
- die finanziellen Mittel, die durch geringere Kinderzahlen ab 2010 frei werden, nicht eingespart, sondern in den Ausbau der Infrastruktur umgeleitet werden,
- Umschichtungen aus dem Bereich der finanziellen Transfers und Reduzierungen von Steuervorteilen vorgenommen werden.
Die Arbeitsgruppe "Neue Akzente in der Familienpolitik" unter Leitung von Bärbel Dieckmann und Nicolette Kressl wird dazu im Februar konkrete Vorschläge vorlegen.
Auch in unseren Schulen gilt es, den direkten Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozialer und ethnischer Herkunft aufzubrechen. Ein wichtiger Schritt ist der flächendeckende Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen. Sie bilden die Grundlage für notwendige Reformen im Bildungswesen, denn sie schaffen Zeit und Raum für die individuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen. Unser 4-Milliarden-Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" hat in ganz Deutschland einen wichtigen bildungspolitischen Reformschub in Gang gesetzt. Diesen Schwung wollen wir weiter nutzen.
Weitere Informationen unter:


Österreich
Diese Seite per Email weiter empfehlen
Druckversion
Newsletter abonnieren






