Viel Aufregung um nichts? Ulrich Keusen, Leiter des städtischen Meerbusch-Gymnasiums wollte die Klassenfahrten für die Jahrgangsstufen zehn und 13 abschaffen. „Ich kann keinem Lehrer zumuten, ein Disziplinarverfahren zu riskieren, weil ein Schüler gegen das Nichtraucherschutzgesetz verstoßen hat“, sagte er gestern im RP-Gespräch. Für diese Auffassung erntete er in Schüler- und Elternschaft heftigen Widerstand. Die unterschiedlichen Meinungen sorgten dafür, dass die Entscheidung darüber in die nächste Schulkonferenz im Oktober vertagt worden ist. In der kommenden Woche beschäftigt sich die Schulpflegschaft mit dem Thema.
Manche hielten das Nichtraucherschutzgesetz eher für vorgeschoben, um das leidige Thema Klassen- und Studienfahrten in der Oberstufe endgültig zu beerdigen. Schließlich sei die Problematik beim Trinken von Alkohol ähnlich. Die entscheidende Frage lautet in beiden Fällen, wer haftet disziplinar-, zivil- oder gar strafrechtlich, wenn es zu Exzessen kommen sollte.
Der Schulleiter habe die Stadt angeschrieben, um die Problematik klären zu lassen, berichtet die Fachdezernentin Angelika Mielke-Westerlage. „Ich habe bei uns allerdings für diese innerschulische Angelegenheit keine Zuständigkeit gesehen“, sagte sie. Gleichwohl habe sie eine Rechtsreferendarin beauftragt, die Folgen des Gesetzes zu benennen. Der Tenor ihrer Ausarbeitung laute, Klassenfahrten seien eine schulische Veranstaltung mit der Folge, dass sowohl Lehrer als auch Schüler im Alter von 18 oder mehr Jahren während des gesamten Ausflugs nicht rauchen dürften. Diese Auskunft schien den Lehrern und Eltern in die Karten zu spielen, die für das Abschaffen der Fahrten votieren. Für die Pädagogen bedeutet eine solche Reise nämlich nicht selten Stress oder Ärger.
Nun stellt sich die Situation plötzlich anders dar. „Ich habe es sogar schriftlich“, erklärte Keusen gestern. Die Bezirksregierung Düsseldorf informierte auf seine Bitte hin darüber, dass die Lehrer einen Teil des Tages während der Klassen- oder Studienfahrten zur offiziellen Freizeit erklären können. Das hat zur Folge, dass erwachsene Schüler und natürlich die Lehrer in dieser Zeit rauchen dürfen. Keusen will den Mitbestimmungsgremien am Meerbusch-Gymnasium in Strümp nun empfehlen, die bisherige Praxis beizubehalten und auch zukünftig in den neunten und zwölften Klassen Studienfahrten zu unternehmen.
Für die stellvertretende Schulpflegschaftsvorsitzende Nicole Rosenfeld stellte sich diese Frage sowieso nicht. Die Elternschaft sei natürlich für die Fortsetzung der Studien- und Klassenfahrten in der Oberstufe. Die Ausflüge stärkten das Zusammengehörigkeitsgefühl und bildeten für den Abiturjahrgang einen schönen Abschluss der Schulzeit.
Quelle: RP-Online


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