„Die Gefahr besteht darin, dass Kinder trotz therapiebedürftiger Störungen an allgemeine Förderprogramme verwiesen werden, statt eine individuelle Behandlung zu erhalten“, so Dr. Rausch weiter. Sie forderte die für den Gesundheits- und den Bildungsbereich Verantwortlichen auf, die logopädische Diagnostik stärker einzusetzen, um sicher zwischen Förder- und Therapiebedarf zu unterscheiden. Dies sei mit den vorhandenen diagnostischen Instrumenten bereits ab einem Alter von zwei bis drei Jahren möglich.
„Durch die Teilnahme an für alle sprachauffälligen Kinder
konzipierten Fördermaßnahmen kann eine echte Sprachentwicklungsstörung nicht
überwunden werden“, so die dbl-Präsidentin. Das sei so, als ließe man alle
Kinder, die auffällig häufig erkältet sind, zu morgendlichen Wechselduschen im
Kindergarten antreten, ohne sorgfältig zu überprüfen, ob die Ursache für die
Infektion mangelnde Bewegung an der frischen Luft oder eine angeborene
Immunerkrankung ist.
Zu solchen Fehlentscheidungen könne es aus drei Gründen kommen, so
Dr. Rausch. Erstens sei auch in der Ärzteschaft der Mythos verbreitet, dass
soziale Faktoren, wie beispielsweise eine mangelnde sprachliche Anregung durch
die Eltern, ursächlich für die Entstehung von Sprachentwicklungsstörungen
seien, denen man mit pädagogischen Mitteln begegnen könne. „Dabei ist sich die
Fachwelt einig, dass die genetische Prädisposition der entscheidende Faktor
ist“, betonte Dr. Rausch.
Zweitens halte sich hartnäckig die Fehleinschätzung, dass alle
Kinder, auch diejenigen mit einer Sprachentwicklungsstörung, von
Sprachförderangeboten profitieren. „Dabei ist wissenschaftlich bewiesen, dass
bei solchen Kindern nach dem dritten Lebensjahr mit einer allgemeinen Förderung
keinerlei Aufholeffekte mehr zu erreichen sind“, so Dr. Rausch.
Drittens sei im Hinblick auf bilinguale Kinder mit
Sprachauffälligkeiten der Irrtum weit verbreitet, diese lägen „natürlich“ im
gleichzeitigen Erlernen mehrerer Sprachen begründet und das Kind brauche
einfach nur mehr Zeit und Förderung. „Studien belegen aber, dass das Risiko für
eine Sprachentwicklungsstörung bei bilingualen Kindern sogar eher
geringer ist als bei Kindern, die nur eine Sprache sprechen. Wenn jedoch eine
Störung auftritt, ist diese in der Regel bei mehrsprachigen Kindern besonders
schwer“, so die dbl-Präsidentin.
„Wir Logopäden begrüßen den Aufbau von flächendeckenden
Sprachförderprogrammen für Kinder mit sprachlichen Auffälligkeiten. Diese
dürfen aber nicht dazu führen, dass Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen die
großen Verlierer sind“, so Dr. Rausch.
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unter:
http://www.dbl-ev.de/redaktion/news_p.cgi?mode=pressdet&idx=16 8


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